Schwere Gewitter entwickelten sich am 22.07.2003 um die Mittagszeit in Mittel- und Ostthüringen, die unter Verstärkung weiter nach Osten zogen. Über Jena sowie im mittleren Saale - Holzland - Kreis gab es ein Hagelunwetter mit "Brocken" von bis zu 7 cm Größe. Der durch den Hagel angerichtete Schaden ging in die Millionen. In anderen Landkreisen wurden ebenfalls heftige Gewitter mit Starkniederschlägen, Hagel und Sturmböen registriert.

Übersicht Wetterlage

Ein Tief über Irland löste mit seinem Frontensystem bereits in den Vortagen Gewitter aus. Entlang einer Konvergenz kam es am 22.07.2003 in Verbindung mit günstigen Bedingungen zu schweren Multizellengewittern im Freistaat. Im weiteren Verlauf bildeten diese Zellen eine unterbrochene Gewitterlinie, die weiter nach Osten zog.

   

Auf der Radaranimation ist zwischen 11:45 und 12:15 Uhr eine regelrechte Explosion mehrerer Zellen im Bereich der Saale (LK Saalfeld - Rudolstadt, Saale - Orla - Kreis) zu sehen. Beobachtet man die weitere Entwicklung, fällt eine markante Zelle mit kurzzeitig blauem Kern entlang der Saale zwischen 13:30 und 14:30 Uhr auf, die das Hagelunwetter in Jena bringen sollte. Im Ostthüringer Bereich waren zu dieser Zeit zahlreiche weitere, teils starke Schauer- und Gewitterzellen unterwegs. Auch auf den Satellitenbildern sind die Zellen sehr schön als weiße "Batzen" zu erkennen.

Übersicht Niederschlag (Quelle: Wetterzentrale Forum/DWD)

Schleiz Hagel 25 mm, Schäden keine bekannt (24-stündige NS-Menge: 27,3 l/m²)
Zeulenroda von 18.10 bis 18.20 Uhr 14,5 mm, dabei Hagel bis 10 mm
Lobenstein 16.50- 17.00 Uhr Hagel bis 10 mm
Titschendorf bei Wurzbach 16.05 Uhr Hagel 10 mm

 Jagdbericht Saale - Orla - Kreis

 

Von unserem Haus in Kamsdorf sah ich gegen 11 Uhr erste Quellwolken in Richtung Südwesten. Ich fuhr auf einen Beobachtungspunkt, um die Entwicklung im Blick zu behalten. Über dem Thüringer Schiefergebirge wuchsen die Quellwolken rasant in die Höhe. Eine Zelle entwickelte sich rasch zu einem Gewitter und zog weiter Richtung Osten.  Dieser folgte ich mit dem Auto, fuhr in Richtung Ziegenrück und kam nahe Moxa in den Kern der Zelle. Es fiel mit großer Intensität kleinkörniger Hagel vom Himmel und im handumdrehen wurde die Straße weiß. Nachdem ich in Ziegenrück viel Zeit im Stau infolge einer Baustelle verlor, verfolgte ich anschließend eine neue Zelle bei Zeulenroda/Auma. Dabei fuhr ich erneut durch heftigen Regen, wobei Straßen teilweise überschwemmt wurden. 

Zwischendurch hatte ich auch ehrlich Angst um mein Auto, genauer gesagt, um den Lack, denn größere Hagelkörner ab 3 cm können das gesamte Auto verbeulen. Viele Kfz-Werkstätten haben zwar mittlerweile Verfahren entwickelt, wie der Lack schonend wieder seine ebene Oberfläche zurückerhält, aber der Aufwand ist groß und die Kosten dementsprechend. Trotzdem empfehle ich allen, die meine Leidenschaft, Unwetter aus nächster Nähe zu betrachten, teilen, eine gute Autoversicherung. Unter https://www.allsecur.de/autoversicherung/ könnt ihr euch über die verschiedenen Tarife informieren. Auch wenn diesmal alles gut ging, lohnt es sich auf jeden Fall vorzubeugen.  

In der Nähe von Auma bog ich auf einen Feldweg ab und beobachtete die weitere Entwicklung. In allen Richtungen waren Schauer- oder Gewitterzellen zu sehen, am interessantesten schien aber eine kräftige Zelle Richtung WNW zu sein. (linkes Bild). Dieser zu folgen machte aber keinen Sinn, da im Radio von Stau durch Aquaplaning und starkem Regen die Rede war. Daher fuhr ich wieder Richtung Kamsdorf und beobachtete weiter die Zellen in der Umgebung.

1. Hagelunwetter in Jena und Umgebung

Konstantin Kirch aus Jena-Lobeda: "Innerhalb weniger Minuten entstand eine bedrohliche Stimmung (folg. Fotos Mitte und Rechts). Die Turbulenzen an der Vorderseite der Wolke waren beeindruckend und ich erwartete jeden Moment, dass sich ein Tornado bildete. Hinter der Böenfront verschwand jedoch bald alles im Niederschlagsvorhang, so dass die Beobachtung nun stark eingeschränkt war. Augenblicke später kamen starke Windböen auf, die mich zwangen,  etwa gegen 14.10 Uhr, das Dach zu verlassen..."

2. Hagelunwetter in Jena und Umgebung

Dieses erste, bereits starke Hagelunwetter, war allerdings noch nicht das letzte an diesem Tag. Am frühen Abend bildete sich über dem gleichen Einzugsgebiet eine weitere, noch kräftigere Hagelzelle, die in Teilen des Saale-Holzland-Kreises und Jenas noch größere Schäden anrichtete.

Markus sah von Kamsdorf aus einen riesigen Eisschirm in Blickrichtung NNO, wie er nur bei extrem starken Zellen bzw. Superzellen vorkommt. Auch Peter aus Erfurt erblickte diesen beeindruckend großen Wolkenschirm und verfolgte dessen weitere Entwicklung mit Interesse.

 (Autor: Markus Weggässer)

Nach Hagelschlag beginnt das Aufräumen im Saaletal

Unwetter hinterlässt Schäden in vielen Orten / Zum Teil große Einbuße bei der Ernte für die Agrarbetriebe Region

 (OTZ/Eger). Die Einwohner von Zwabitz haben gestern Eis geschippt. Ursache dafür waren die zwei Hagelschläge, die am Dienstagnachmittag und am Abend über das Mittlere Saaletal zogen. Wie ein Anwohner berichtet, sei das Eis wie ein Lavastrom über sein Grundstück geflossen. Getroffen hat es auch Bibra. "Ein Unwetter in einem solchen Ausmaß habe ich noch nicht erlebt", berichtet Johanna Ingber. Bereits am Dienstag hat sie gemeinsam mit ihren Nachbarn die an das Grundstück angrenzende Straße von Schlamm und Geröll befreit. Schwer fiel es ihr gestern ihren Garten zu betreten. "Bohnen, Tomaten, Kartoffeln, alles ist hin", fasst sie das Ausmaß der Schäden zusammen. Dennoch versucht sie zu retten, was noch zu retten ist. Damit die Kartoffeln in der Erde nicht faulen, arbeitete die Bibraerin gestern ohne Unterlass.

Keine Pause gönnten sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Orlamünde. Bereits am Dienstag-nachmittag rückten die Männer am Mittelkreis an, um den Schlammlawinen aus dem Hain Herr zu werden. "Wir waren gerade fertig, da kam das Unwetter zurück. Dies war noch viel heftiger, so dass die Bundesstraße für zwei Stunden gesperrt werden musste", erzählt Mario Gäbler von der Wehr. Hilfe bekamen sie von der Freiwilligen Feuerwehr Freienorla und vom Bauhof Großpürschütz. Mit angepackt haben aber auch die Anwohnern, so Mario Gäbler weiter, ohne die die Arbeiten sicher noch länger als 22.30 Uhr gedauert hätten. Gemeinsam mit Robert Sprenger säuberte er gestern erneut den Mittelkreis in Orlamünde. Außerdem war gestern wegen Erdrutschgefahr der Orlamünder Stadtberg gesperrt. Wie Clemens Laqua von der Verwaltungsgemeinschaft "Südliches Saaletal" erklärt, prüft die Feuerwehr noch auf loses Gestein, bevor der Berg wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

Betroffen ist auch die Agrargenossenschaft Reinstädter Grund e.G. "Zum Teil haben wir Totalschaden. Auf den Feldern steht nur noch das Stroh, die Ähren sind hinüber", so Udo Große, Chef der Agrargenossenschaft, der solche Hagelkörner noch nicht gesehen hat. Dort, wo der Hagel ausblieb, versuchen die Kollegen jetzt zu ernten. Mehrmals ausrücken musste auch die Freiwillige Feuerwehr in Kahla. Wie Stadtbrandinspektorin Brunhilde Reich sagt, gab es dort zum Großteil Schlamm und Geröll zu beseitigen.

Hagelschlag beschädigt mehrere hundert Autos

Betroffen vor allem Autohäuser in Lobeda

Jena (OTZ/tz). Der Hagelschlag am Dienstagnachmittag hat für Schäden in Millionenhöhe gesorgt: Besonders schlimm traf das Unwetter mehrere Autohäuser in Lobeda-Süd. "Die Wagen sehen aus, als hätte jemand eine Fuhre Kies über den Lack geschüttet", sagt Frank Posmik vom Autohaus Reichstein und Opitz. Tatsächlich zeigen sich viele kleine Dellen, die kaum repariert werden können. "Meist lohnt sich nur, die ganzen Teile auszutauschen", sagt Verkaufsberater Enrico Lauterbach. Ohne Vorwarnung hatte das Unwetter begonnen. Plötzlich fielen nach Augenzeugen-Berichten Hagelkörner, die die Größe von Tischtennisbällen erreichten. Bild links: Andre Bock

Viele Neuwagen und Gebrauchtwagen waren nicht mehr zu retten. Fünf Minuten reichten, um für den erheblichen Schaden zu sorgen. Bei Reichstein und Opitz seien mehrere hundert Wagen betroffen.

"So etwas haben wir noch nie erlebt", sagt Christian Boe vom Autohaus Scholz AVS, bei dem der Hagel ebenso mehr als 100 Fahrzeuge beschädigt hat. In Lobeda-Ost hinterließ das Unwetter Spuren: So soll bei einem Auto durch Eisklumpen sogar die Scheibe gebrochen sein. Schäden durch Unwetter sind zumeist über die Teilkasko-Versicherung abgesichert. Da sich in Jena über tausend Schadensfälle summieren, könnte das Auswirkungen auf die Versicherung haben, so dass die Beiträge in der Region künftig steigen. Einige Schnäppchenjäger haben sich gestern schon bei den Autohäusern erkundigt, ob sie die Fahrzeuge nun billiger bekommen.

Zusammenfassung

Seit 20.07. gab es wiederholt teils kräftige Gewitter im gesamten Freistaat. Diese Serie setzte sich bis 27.07. fort. Der 22.07. bleibt der markanteste Gewittertag in dieser "Gewitterserie" und auch der markanteste in der Saison 2003. Besonders interessant, aber auch verhängnisvoll ist die Tatsache, dass 2 schwere Hagelgewitter über die gleiche Region innerhalb von 5 Stunden zogen. Die verursachten Schäden und Größen der Hagelschlossen bis 7cm rechtfertigen ohne Zweifel einen Eintrag in die Thüringer Unwetterliste.