Am Abend des 23.07.1997 kam es im südlichen Saale - Orla - Kreis zu kräftigen Gewittern, die neben Hagel- und Sturmböen Hagel brachten. Dabei konnte sich vielerorts in der betroffenen Region eine geschlossene Hageldecke ausbilden, die teilweise selbst am nächsten Tag noch nicht weggetaut war. Die Hagelkörner erreichten Größen bis zu 5cm Durchmesser. In der Landwirtschaft gab es erhebliche Schäden, wie auch an Grundstücken und Autos.

Ein Dank für die Bereitstellung der Analysekarten und der Beihilfe zur Erstellung dieses Berichtes geht an Matthias Jaeneke.


 

Wetterlage

 

Wie die Bodenwetterkarte von 00 UTC zeigt, befand sich Mitteleuropa am 23.07.97 an der Südostflanke einer schwachgradientigen Hochdruckzone, die von Skandinavien über die Britischen Inseln bis zu den Azoren reichte. Entsprechend gab es im Bereich Thüringen wie auch sonst in Mitteleuropa kaum Luftbewegung bei unterschiedlichen Windrichtungen. Außerdem fehlte jegliche Front. Dies wird auch von der Re-Analyse des 23.07.97 12 UTC (Viererblatt) bestätigt (folg. Karte). In 500 hPa (oben rechts) existierte auch nur eine sehr flachen Trogstruktur über Frankreich und den Britischen Inseln. D.h., dass zusammen mit den weitgehend fehlenden Strukturen der Bodenkarte kaum stärkere Gewitter-Impulse vorhanden waren. Das Bild wird auch von 850 hPa (unten links) bestätigt. Auch die Karte der Rel.Feuchte 700 hPa (unten rechts) besitzt keine frontalen Feuchtestrukturen. In der flachgradientigen Lage war die auch vertikale Schichtung nur mäßig labil, wie auf dem mittäglichen Radiosondenaufstieg von Meiningen (10548) zu sehen. Die Labilitätsfläche (Fläche zwischen blauer Konvektions-Temperaturkurve und roter Temperaturzustandskurve) war zwar bis 350 hPa hinauf vorhanden, aber nicht groß. Aufgrund der Wetterlage war auch die vertikale Windscherung (rechts) nur schwach.

 


Analyse anhand von Radarbildern

Um 16 UTC : Umfangreicher Gewitter-Cluster im Raum Erfurt - Weimar mit einigen kleineren blauen Kernen.

Um 17 UTC : Verlagerung des Clusters Richtung Südosten und vorübergehend Abschwächung.

Um 18 UTC : Annäherung an das Schadensgebiet Eliasbrunn/Wurzbach von Nordwesten her mit wieder ausgeprägtem zweifachen blauen Kern (>= 55 dBZ, höchste Stufe); entscheidende Zelle wahrscheinlich die nordöstliche.

Um 19 UTC : Hagelzelle (immer noch sehr kompakt blau) inzwischen über das Schadensgebiet nach Südosten hinweggezogen.

Um 20 UTC : Gewitter-Cluster zerfällt im Grenzgebiet