Tornadoverdacht / Downburst in Berga (LK Greiz) Ein sehr markanter Unwettertag 2006 in Thüringen: Am Abend zog eine Gewitterlinie über den Freistaat hinweg, die mitunter schwere Sturmböen bis orkanartige Böen sowie Downbursts brachte. Aus allen Landkreisen und Städten wurden Schäden gemeldet. Dazu kam Starkregen mit Überschwemmungen sowie Hagelschlag, der teilweise geschlossene Decken bilden konnte. Die Schäden gingen in Millionenhöhe, manche Orte hat es stark getroffen. Zeitungen berichteten am Montag von unzähligen Windschäden sowie "Windhosen".
Station/Ort | Uhrzeit (UTC) | Gemessene Böe (km/h) |
Schmücke | 14:00 | 87 |
Neuhaus/Rwg. | 14:00 | 80 |
Oberhof | 14:00 | 65 |
Schmücke | 16:00 | 107 |
Heilbad Heiligenstadt | 16:00 | 83 |
Leinefelde | 16:00 | 80 |
Neuhaus/Rwg. | 16:00 | 76 |
Oberhof | 16:00 | 76 |
Gera | 16:00 | 72 |
Weberstedt/Hainich | 16:00 | 70 |
Meiningen | 16:00 | 69 |
Kaltennordheim | 16:00 | 69 |
Schmücke | 17:00 | 107 |
Masserberg | 17:00 | 81 |
Oberhof | 17:00 | 80 |
Artern | 17:00 | 80 |
Meiningen | 17:00 | 76 |
Weimar (DWD) | 17:00 | 76 |
Weimar (MM) | 17:00 | 70 |
Niederschlagsmengen 24-stüding (20.05., 06:00 UTC - 21.05., 06:00 UTC) in l/m² (Datenquelle: Wetterzentrale Forum/Meteomedia) 23,3 Katzhütte (DWD), 23,1 Masserberg, 22,0 Neuhaus/Rwg., 21,8 Katzhütte (MM), 19,0 Oberhof Ein von Irland nach Dänemark ziehendes Sturmtief überquerte mit seiner Warmfront in der 1. Tageshälfte bis zum Nachmittag Thüringen. So gab es mittags bis zum Nachmittag mäßigen Regen bei angenehmen Temperaturen. Im Bereich der Kaltfront bildete sich eine Squall line aus, die heftige Gewitter brachte. Auf dem Satellitenbild ist im rechten Teil (Ostdeutschland und angrenzende Länder) die Warmfront zu sehen (langgezogenes Wolkenband in diesem Fall) und nachfolgend etwa in der Bildmitte über Deutschland die Kaltfront in Form der Squall line (zu erkennen an dem Wolkenbatzen mit dem gebogenen Wolkenbank im nördlichen Teil). In Berga soll ein Tornado Schäden in einer Gartenanlage angerichtet haben. Viele Bäume wurden hier entwurzelt, abgeknickt oder auch abgedreht. Zahlreiche Grundstücke wurden in Mitleidenschaft gezogen, manche Laube von Trümmern durchlöchert. Diesen Verdachtsfall hat sich Andre Bock genauer angeschaut und mit viel Kleinarbeit die Schäden anhand von Fotos dokumentiert und Augenzeugen befragt, um so zu ermitteln, ob es vielleicht ein Tornado war oder nicht.
Windhose knickt in Berga Bäume ab
Feuerwehreinsatz am späten Samstagabend - Ein Baum landet in der Freileitung
Berga (OTZ/St.B.). Die Meteorologen sollten Recht behalten: Für Samstagabend hatten sie schweren Sturm, Gewitter und sogar orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von über 105 Stundenkilometern vorausgesagt. In vielen Teilen des Landkreises herrschte dann ab 19.30 Uhr tatsächlich Weltuntergangsstimmung. In Berga knickte eine Windhose am späteren Samstagabend mehrere Bäume einfach ab. Angrenzend an die Gartenanlage "Elsterwehr" nahe der Buchenwaldstraße hatte der kleine "Wirbelsturm" eine richtige Schneise in die Baumgruppe geschlagen, berichtete Feuerwehrleiter Thomas Schlenk gestern. Etwa zehn Bäume seien abgeknickt oder zum Teil auch entwurzelt worden. Dabei ging einiges zu Bruch. Unter anderem waren Gartenzäune nicht mehr zu retten. Einer der Bäume landete zudem auf einer Freileitung, weshalb auch der Energieversorger zu Hilfe gerufen werden musste. Für die Bergaer Feuerwehr wurde es ein halber Nachteinsatz. Sie war von 20 Uhr bis gegen 23.30 Uhr mit elf Kameraden und zwei Autos vor Ort.
Das Radarbild zeigt den gesamten Tagesablauf vom 20.05.2006. Eine schwache Front mit Regen zog tagsüber durch. Je weiter sie nach Osten im Lande vorankam, umso schwächer wurde sie. Erst als sie fast abgezogen ist, folgt aus Westen rasant die Front nach, die komplett starke bis sehr starke Echos aufweist. Es ist gut zu sehen wie zwischen 17.00 und 17.15 Uhr die ersten Zellen die thüringisch - hessische Landesgrenze erreichen. Die stärkste Zelle befand sich zu dieser Zeit im Landkreis Eichsfeld. Im weiteren Verlauf verstärkten sich zahlreiche Zellen innerhalb der Linie über ganz Thüringen. Besonders stark fiel eine davon in Nordhausen aus, weitere im Landkreis Sonneberg, Saalfeld - Rudolstadt, Saale - Orla - und Ilmkreis und dem Landkreis Greiz. Besonders zu beachten ist auf den unteren Radarbildern zwischen 19.15 und 19.30 Uhr die Verstärkung einer Zelle, mit 2 kleinen blauen Echos an der Grenze vom Saale - Orla - Kreis zum Landkreis Greiz. Diese Zelle zog binnen der nächsten 20 Minuten fast vollständig über den Landkreis hinweg und zeigte eine hohe Reflektivität in Form eines großen roten Echos südlich von Gera. Hier liegt Berga an der Elster, dass auf der Zugbahn dieser Zelle lag. Eine eindeutige Klärung anhand des Radarbildes ist somit ausgeschlossen, da zwar eine Verstärkung einer Zelle (wie oben besprochen) im Bereich des Ortes stattgefunden hat, aber dies kein sicheres Indiz für die Entwicklung eines Tornados darstellt. Bei weiteren Schadensfällen im Land wurden ebenfalls solche Verstärkung von einzelnen Zellen in der Front beobachtet. Höchste Reflektivitäten sichern zwar Indizien für Starkniederschlag und Hagel und einer insgesamt recht kräftigen Zelle, aber zeigen nicht eindeutig an, dass sich hier ein Tornado entwickelt hat. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Bedingungen an diesem Tag günstig waren, um viele turbulente Böenwalzen und Wolkenuntergrenzen zu erzeugen, die sehr oft Formen von Tornados annehmen können. Diese turbulenten und meist zerrissenen Wolkenfetzen können bis zum Erdboden reichen oder vom Erdboden zur Wolke gesogen werden.
Das Panoramabild von Christian Schmidt (aufgenommen am Abzweig Pörmitz nördlich von Schleiz) zeigt die aufziehende Gewitterfront mit einer turbulenten und bedrohlich wirkenden Böenwalze. Wir haben einige Bilder erhalten, die die aufziehende Front in Berga zeigen. Leider sind diese von teilweise schlechter Qualität und es bei 2 Bildern nur schlecht eindeutige Wolkenformationen zu erkennen. Leider ist auch der Urheber dieser Bilder unbekannt.
Bild links und Mitte sind nur in der Farbe unterschiedlich. Der "Wolkenbatzen" der bis zum Boden reicht, ist kein Tornado, auch wenn es den Anschein beim 1. Betrachten der Bilder haben könnte. Schaut man sich die Bilder im großen Format an, sieht es eher nach einer Böenwalze aus, deren äußerer Rand bis nahe den Erdboden reicht. In solch einem Bereich kommt es durchaus zu Sturm- bis Orkanböen. Das rechte Bild zeigt die o.e. turbulenten Wolkenformationen, die bei dieser Lage verbreitet auftraten. Auch die Bilder helfen nur wenig weiter. Abgesehen von der Qualität, scheint auch hier kein Indiz für ein Tornado gesichert sein. Nur die turbulenten Wolkenformationen sowie angesprochenen Böenwalzen, die durchaus bis zum Boden reichen, sind ziemlich eindeutig zu erkennen.