Nur langsam bewegten sich Ende April die Gewitter fort und konnten somit lokal hohe Regenmengen abladen. Das Ergebnis waren Flutwellen im Weimarer Land und im Landkreis Nordhausen, die hohe Sachschäden verursachten und den Verkehr monatelang einschränkten.


Von Großbritannien verlagerte sich ein Tief langsam in Richtung Frankreich. Es lenkte kühlere Luft in den Westen und Südwesten Deutschlands, während in die Mitte und den Osten schwülwarme Luft aus Südosten gepumpt wurde. So entstand quer über Deutschland eine Tiefdruckrinne, die eine Luftmassengrenze markierte, die nach Süden durch eine Mischfront (Okklusion) auf der kühleren Seite flankiert wurde.

Modellvorhersage für Sonntag, 27.04.2014 14 Uhr (12 UTC): Anhand der farblichen Abstufungen (aquamarin/hellgrün/gelb) ist eine schmale Grenze quer über der Mitte Deutschland zu erkennen, die eine Luftmassengrenze markiert. Der nördliche teil (hellgrün) ist dabei der "wärmere Teil", während im Gegenzug der südliche Teil der Kältere ist (Quelle: wetter3 Archiv).

 Im Bereich der Tiefdruckrinne wird ein sehr hoher Gehalt an niederschlagbarem Wasser (Karte oben) in der feuchtwarmen Luftmasse simuliert (Quelle: wetter3 Archiv). In Verbindung mit einer schwachen Höhenströmung aus Südost (Gewitterzugbahn also Südost - Nordwest), sind die Zutaten für Starkregen mit plötzlichen Überschwemmungen und Sturzfluten (flash floods) gegeben (Karte unten).

 Ein Hoch über dem südlichen Skandinavien sorgte im Norden und Osten Deutschlands für ostnordöstliche Winde, während das Tief über dem Ärmelkanal südwestliche Winde in den Westen und Südwesten lenkte. Dort, wo sich diese beiden Winde getroffen haben, bildete sich eine Konvergenz (Zusammenströmen von Luftmassen), die die Luft zum Aufsteigen gewzungen hat. Die sog. frontale Querzirkulation fachte mit dem Tagesgang die Temperaturgegensätze zwischen der warmen Luft entlang der Tiefdruckrinne und der kühleren Luft nach Süden hin weiter an, sodass auch dieser Prozess die Gewitterentwicklung in der Tiefdruckrinne fördern sollte.

Blick auf die modellierte Windkarte (Richtung und Geschwindigkeit) mit Kennzeichnung der Konvergenz (schwarzer Strich). Es ist zu erkennen, dass nördlich der Konvergnz die Winde aus Ost kommen, während sie südlich der Konvergenz aus westlichen Richtungen wehen (Quelle: wetter3 Archiv).

 Das Ergebnis der Modellkarten: Auf dem Radarbild vom 27.04.2014, 18:00 Uhr, sind zwei Niederschlagsschwerpunkte zu erkennen: Der nördlichere Niederschlagsstreifen markiert die Konvergenz, an der sich die Gewitter zu Clustern und letztlich einem langen Band angeordnet haben. Auf der kühlen Seite im Süden, im Bereich der Okklusion, sind die Niederschläge schwächer und mehr skalig (Landregen). Quelle: WetterOnline

 

Das Ergebnis am Boden: In Troistedt (Weimarer Land) wälzt sich eine Flutwelle durch den Ort und richtet erhebliche Schäden an. Die Flutwelle kam einerseits aus dem naheliegenden Forst sowie von einem Feld von der anderen Seite.