Mehrere Verletzte, viele umgestürzte Bäume und neue Kahlschläge im Thüringer Wald sowie Behinderungen auf Straße und Schiene sind die Bilanz von Orkantief "Emma" und Sturmtief "Fee" am ersten Märzwochenende 2008. Mit einem markanten Kaltfrontdurchgang am Samstagmorgen in Verbindung mit Starkregen, Hagel und Graupel sowie eingelagerten Gewittern traten hierbei die schwersten Böen, teilweise bis Orkanstärke im Flachland, auf. Spitzenreiter ist die Station Gera - Leumnitz mit 122 km/h. Orkanartige Winde wurden im gesamten Land in Höhen- wie auch Tieflagen registriert. Am Sonntag folgte noch Sturmtief "Fee", die mit Böen nahe 100 km/h weitere Schäden anrichtete. Insgesamt sind die Schäden durch das Sturmwochenende nicht so hoch wie bei Kyrill vor einem Jahr.

Die Warmfront von "Emma" sorgte seit Freitagabend für Regenfälle, die sich bis in den Samstagmorgen hinzogen. Nach kurzer Pause erreichte die Kaltfront gegen 06:00 Uhr den Nordwesten Thüringens vom Harz kommend. Innerhalb von 2 Stunden zog die Front über den Freistaat hinweg.

Die Gefahr lag an der Kaltfront bei den Schauern und Gewittern, die durch den sog. vertikalen Impulstransport aus großen Höhen, in der ein kräftiger horizontal verlaufender Höhenwind vorherrscht, diesen bis an den Boden durch das Abwindsystem in diesen Zellen heruntermischen können. Zudem bestand die Gefahr von Downbursts (Gewitterfallböen) und Tornados. Letztere traten im Freistaat nicht bestätigt auf, jedoch gab es mehrere Verdachtsfälle.

 

Die heiße Phase also der Durchgang der Kaltfront und das spiegelte sich besonders in den Rettungsleitstellen im Freistaat wieder, in denen im Zeitraum der Passage die Telefone heiß liefen. Wetterbedingte Einsätze galt es in allen Kreisen und Städten zu koordinieren und zu lenken. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Energieversorger und städtische Bauhöfe waren am ganzen Wochenende im Einsatz, um Schäden zu beseitigen, Straßen und Schienen befahrbar zu machen und die Energieversorgung wieder herzustellen.

 

Unsanft wurden die Bewohner am Samstagmorgen im Eichsfeld und Südharz geweckt: Donnerschläge, peitschender Hagel und Regen an den Fenstern und lautes Getöse. "Emma" lässt in Birkungen eine Scheune einstürzen, zw. Rotenburg und Berlingerode stürzt ein Baum in eine Hochspannungsleistung und entzündet sich. Dachziegel werden in Nordhausen zu gefährlichen Geschossen, hunderte Haushalte im Eichsfeld sind ohne Strom. In Hesseroda deckt es das Dach einer Stallanlage ab, die Feuerwehren in beiden Kreisen sind im Dauereinsatz um Gebäude zu sichern, Straßen zu beräumen und Bäume zu beseitigen.

 

Auf dem Weg ins mittlere Thüringen ähnliche Schäden: Reihenweise stürzen Bäume um, beschädigen und kappen Strom- und Telefonleitungen, sorgen für Behinderungen auf den Straßen. Im Kyffhäuserkreis wird in Roßleben ein Dach abgedeckt, zwischen Rottleben und Barbarossahöhle fliegen Dachplatten auf die Fahrbahn, bei Graß fährt ein Regionalzug gegen ein Baum, die Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon. Die Uhr der Bergkirche in Bad Langensalza bleibt nach Blitzschlag stehen. Im Kreis Sömmerda ein ähnliches Bild: Umgestürzte Bäume, lose Dachziegel, viele Feuerwehreinsätze.

 

Die Landeshauptstadt verschont der Orkan nicht. Berufs- und Freiwillige Feuerwehren haben alle Hände voll zu Tun, als u.A. in der Futterstraße ein Baugerüst zusammenbricht und gesichert werden muss oder in Vieselbach ein herabfallender Gegenstand ein Leck in einen Gastank schlägt. Auch die Erfurter Verkehrsbetrieben sind bemüht, das Schienennetz der Stadt frei von Ästen und Unrat zu halten.

 

Der Westen des Landes kommt recht glimpflich davon: Im Wartburgkreis gilt es zwar wie überall Straßen von Bäumen zu befreien und Gebäude zu sichern, doch die markanten Schäden halten sich in Grenzen. In Treffurt stürzte eine Mauer ein, in Neukirchen deckte es eine Scheune ab. Teilweise stiegen die Flusspegel an, jedoch ohne Alarmstufen zu erreichen. Schwerpunkt der Schäden im LK Gotha ist Ohrdruf: Das Dach der Fa. Hanf wird abgedeckt und zieht die benachbarte Schule, die bei Kyrill erheblichen Schaden davontrug, in Mitleidenschaft: Fenster werden eingeschlagen, Holz fliegt in die Klassenräume, 2 Garagen werden zusammengedrückt. In Gotha steht die Europakreuzung unter Wasser, die Berufsfeuerwehr wird bei der Schadensbeseitigung von den freiwilligen Wehren unterstüzt.

Mit 119 km/h über Weimar hielt ein Baugerüst in der Meyerstraße/Ecke Schlachthofstraße den Windgeschwindigkeiten nicht Stand, ebenso wenig das Zelt des Zirkus "Busch - Roland", bei dem der entstandene Schaden auf bis zu 100.000 Euro geschätzt wird. Die Berufsfeuerwehr der Kulturstadt wird durch die freiwilligen Wehren tatkräftig unterstürzt. Im gesamten Stadtgebiet müssen umgestürzte Bäume beräumt und Gebäude gesichert werden. Auch im Weimarer Land sind die Wehren im Einsatz. Im Norden wie im Süden des Kreises lautet das Einsatzstichwort "umgestürzter Baum", in einigen Fällen auch "abgerissene Stromleitung" wie bei Ulla. Insgesamt kommt der Kreis glimpflich davon.

 

Diesmal keine umgewehten Anhänger, Laster und verletzte Polizisten auf der Reichenbachtalbrücke der A71 bei Ilmenau. Die Geschwindigkeit wurde auf 60 km/h reduziert, LKWs über Landstraßen umgeleitet. Die Bahnstrecke zwischen Arnstadt und Plaue muss durch Feuerwehren beräumt werden. Bei Roda fährt ein Triebwagen gegen einen Baumstamm, in Arnstadt stürzt in der Sondershäuser Straße eine 6m lange Dachbahn von einem Wohnblock. In den Höhenlagen sind die Feuerwehren durch umgestürzte Bäume gefordert.

 

In den Kreisen Hildburghausen, Schmalkalden - Meiningen, Sonneberg und der Stadt Suhl kommt es zu zahlreichen Schäden. Im Kreis Hildburghausen wird ein Kleintransporter von einer Böe erfasst und umgeschmissen, der Fahrer verletzt sich. 10.000 Haushalte im Kreis sind vom Stromausfall betroffen und gehen teilweise erst abends wieder ans Netz. In Neuhaus/Rwg. wird das Dach eines Fabrikgebäudes abgedeckt und beschädigt im benachbarten Autohaus einige Fahrzeuge. Baumsperren auf vielen Straßen in den Kreisen gilt es durch die Einsatzkräfte zu beseitigen.

 

Richtung Osten trifft es den LK Saalfeld - Rudolstadt besonders in der Region Gahma. Zwischen dem Ort und dem Abzweig Wurzbach/Leutenberg sind hunderte Bäume umgestürzt und versperren die Straße. Ähnliche Waldschäden gibt es auch im benachbarten Lehesten, Lichtentanne und Schmiedebach. Das Pflegeheim "Hirschhügel" wird mit Notstrom des Technischen Hilfswerks versorgt. Die Feuerwehren beseitigen umgestürzte Bäume und kümmern sich um Gebäudesicherungen.

 

Ähnliche Probleme gibt es im benachbarten Saale - Orla - Kreis: Stromausfälle im Oberland bis zu 4 Stunden, Feuerwehreinsätze bis in die Abendstunden und erhebliche Schäden in einer Bungalowsiedlung in Trannroda bei Pößneck. Nördlich davon blieb der Saale - Holzland - Kreis weitgehend von größeren Schäden verschont. In Gniebsdorf lösen sich Blechteile vom Dach einer Lagerhalle, es gibt im Kreis kurze Stromausfälle. Auch in Jena fallen die Bäume sowie Dachziegel. Der Goethe Ginkgo wurde im Botanischen Garten in Mitleidenschaft gezogen, wie auch einige andere Bäume.

 

Weiter nach Osten in die Kreise Greiz und Altenburger Land ein ähnliches Schadensbild: In Gera sind die Feuerwehren auch mit Bäumen und Gebäudesicherungen beschäftigt, ähnlich geht es in den angrenzenden Kreisen zu. Auf der Bahnstrecke zwischen Gößnitz und Crimmitschau versucht eine Bürgerin einen nahenden Zug vor einer Baumsperre zu warnen und wird dabei vom abgerissenen Kabel der Oberleitung getroffen. Die Frau erleidet einen Stromschlag und kam ins Krankenhaus.