Wir sind ein seit 2002 bestehendes, ehrenamtliches Netzwerk von ca. 20 aktiven Mitgliedern, die speziell über Gewitter und Extremwetterereignisse informieren, diese dokumentieren und u. A. in wissenschaftliche Projekte bei der Thüringer Klimaagentur einfließen lassen. Einige unserer Mitglieder sind zudem zertifizierte Storm Spotter bei Skywarn Deutschland e. V.

Gruppenfoto mit unseren Referenten von der Convention 2015 (Bild: Marco Rank)

Über das Storm Chasen (und die Verrückten)

Storm Chasen (übersetzt "Stürme jagen", jedoch nicht Herbst- und Winterstürme, sondern primär Gewitter (engl. Thunderstorms)) bezeichnet eine Tätigkeit, in der die Chaser Gewitter aufspüren, diese beobachten, dokumentieren und verfolgen. Mit Entstehung des Storm Chasings in den USA (bereits in den 1950ern) sind die Storm Chaser zu einem wichtigen Bestandteil in der Gewitter- und Tornadoforschung und der Optimierung des Warnprozesses geworden. So ist es naheliegend, dass mit der Dokumentation von markanten Wetterereignissen und deren Auswirkungen ein nicht unwesentlichter Teil zur Aufklärung und Sensibilisierung für die Allgemeinheit beigetragen wird. Während Storm Chasing in den USA schon länger ein bekanntes Hobby ist (insbesondere durch SKYWARN), entstand die Gemeinschaft in Deutschland erst in den Neunzigern.

Welchem Hauptinteresse der Einzelne auch nachgeht, die Faszination und das Erleben der Naturgewalten mit seiner unendlichen Vielfalt eint alle Storm Chaser. Über Deutschland verteilt bildeten sich ab 2000 verschiedene Lokalgruppen und Diskussionsforen. Am 16.10.2003 wurde Skywarn Deutschland e.V. gegründet. Der Verein verfügt heute über ein ausgedehntes Netz an Storm Spottern, die markante Wettererscheinungen telefonisch melden. Bedingt durch die rasche Digitalisierung, soziale Netzwerke und mehr Interessierte kann heute schneller ein größerer Teil der Bevölkerung im Gegensatz zu früher über bevorstehende Ereignisse informiert bzw. mit aktuellen Informationen versorgt werden.

Leider findet sich gerade in den letzten Jahren auch ausreichend Platz für Leute mit reiner Abenteuerlust. Davon abgesehen wird ein regelrechter Kampf um die besten Aufnahmen im Internet ausgeschlachtet. Die Popularität, nicht zuletzt durch den Film "Twister" und die Doku-Soap "Storm Chasers" entstanden, sorgt mittlerweile für einen erhöhten Zulauf an Interessierten, die das Erleben und mediale Teilen vorrangig zu betrachten scheinen. Viele Neulinge schätzen zudem die Gefahren nicht richtig ein und besitzen zu wenig Verständnis für die Gefahren bei diesem Hobby.

Auch in Deutschland erfreut sich die Szene an wachsender Begeisterung. Neben dem Melden von Unwettern über die Skywarn-Meldehotline, die der staatliche Wetterdienst, private Wetterdienstleister und diverse Unwetterdatenbanken nutzen, werden Analysen und Aufarbeitungen betrieben. Auch das Teilen des Erlebten in Foren und sozialen Netzwerken ist fester Bestandteil bei den deutschen Sturmjägern. Teilweise erscheint es jedoch fraglich, ob der wissenschaftliche Zweck stellenweise nicht untergeht oder falsch interpretiert wird.

Bisschen was über uns

Angefangen mit 3 Mitgliedern im Jahr 2002 umfasst unser fester Mitgliederstamm 2015 ca. 15 aktive Mitglieder. Wir sind dabei eine freie Gemeinschaft und kein eingetragener Verein. Über die damaligen Wetterforen knüpften die ersten Thüringer Storm Chaser Kontakt miteinander. Nach ersten Versuchen ging 2003 unsere erste eigene Homepage online. Diese umfasste zunächst nur wenige Bildberichte, während heute zahlreiche Berichte zu verschiedenen Gewittern- und Unwetterlagen bei uns zu finden sind. Seit 2005 gibt es mindestens ein- bis zweimal jährlich interne Treffen sowie Fotoworkshops und gemeinsame Storm Chasings. Gemeinsam erleben, von- und miteinander lernen und somit das Gemeinschaftsgefühl pflegen hält die Community seit über 10 Jahren zusammen. Einige unserer Mitglieder sind außerdem ehrenamtlich in Freiwilligen Feuerwehren oder dem Technischen Hilfswerk tätig und werden häufiger mit den Auswirkungen von markanten Wetterereignissen konfrontiert. Weitere sind außerdem bei Skywarn Deutschland e.V. zertifizierte Storm Spotter.

Neben Gewittern wecken natürlich auch alle anderen Wetterereignisse wie Stürme und Hochwasser unser Interesse. Die Dokumentation entsprechender Wetterlagen setzt sich auch in den Übergangs- und Wintermonaten fort. Zum Tag der offenen Tür am 22.09.2012 in Neuhaus/Rwg. konnten wir in Zusammenarbeit mit dem DWD und der Thüringer Klimaagentur einen Informationsstand über Gewitter in Thüringen realisieren. Wesentlicher Teil unseres Auftritts war dabei die Selbstvorsorge und der persönliche Schutz bei markanten Wetterlagen.

Unsere Erfahrungen und Beobachtungen konnten wir sehr gut in das Projekt des atmosphärischen Konvektionspotentials in Thüringen integrieren. Zur Fachtagung des Projektes am 03.06.2014 in der Thüringer Klimaagentur waren wir mit einem Informationsstand vertreten, nahmen an Rundtischgesprächen teil und konnten viel mit den Besuchern "fachsimpeln".

Sie wollen mitmachen? Wenn Sie Interesse an Gewittern und markanten Wettererscheinungen haben und mehr über dieses Hobby erfahren möchten, melden Sie sich bitte in unserem Forum an. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Ob Sie kompletter Neuling oder bereits mit dem Gebiet vertraut sind, spielt für uns keine Rolle. Sie können auch per Mail oder via Facebook mit uns in Kontakt treten. Wir freuen uns auf Sie!

...und die Organisatoren:

Markus Weggässer (*1985), Weimar

 - Gründer der Thüringer Storm Chaser im Jahr 2002
 - Storm Chaser/Jagderfahrung seit 1997
 - Premium Advanced Spotter &  Regionaler Ansprechpartner Thüringen bei Skywarn Deutschland e.V.
 - Praktikumsarbeiten zu den Themen "Bevorzugte Gewitterentstehungsgebiete in Thüringen 2005-2011" und "Ökonomische Betrachtungen zur Auswirkung des Klimawandels und Extremwettereignissen in Thüringen" in der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, 2012
 
Zur Entstehung dieses Hobbys: "...mit 5 Jahren beobachtete ich zufällig einen Blitzeinschlag in einen Baum, von dem große Teile regelrecht abgesprengt wurden. Ab diesem Moment war ich fasziniert von Gewittern. Auch das Hochwasser 1994 blieb in Erinnerung und festigte das Interesse an besonderen Wetterereignissen. Ab 1996 versorgte ich die Nachbarschaft mit den aktuellen Unwetterwarnungen des DWD und betrieb eine eigene Wetterstation. Anfang 2000 gab es eine erste Homepage, 2002 fanden sich die ersten 3 Thüringer Storm Chaser zusammen und die Community entwickelte sich mit der "Chaserszene" über die Jahre mit. Die heutige Community ist mein verwirklichter Lebenstraum, dessen Antrieb die Leidenschaft und Faszination für dieses Hobby ist..."
 
 
Besonders in Erinnerung geblieben: "...die bisher unüberbotene Gewitternacht vom 05.07./06.07.1999 mit 5.674 Blitzen in einer Stunde, das erste Chasing mit dem eigenen PKW am 05.06.2003 mit ca. 550 zurückgelegten Kilometern in Thüringen sowie wenige Tage später der schwere Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person während eines Chasings. Die Ereignisse vom 31.05.2008 und das Chasing vom 04.08.2013 bei Amberg (BY). Nicht zu vergessen das 1. TSC-Treffen am 09.07.2005 an der DWD-Wetterwarte in Neuhaus am Rennweg..."
 
 
André Ludwig (*1981), Bad Blankenburg 
 
 - seit 2006 bei den Thüringer Storm Chasern/bis 2014 zweiter Administrator
- Auszeichnung als "Thüringer des Monats" im Januar 2007 aufgrund des Einsatzes nach "Kyrill"
- Hochwassereinsätze mit dem THW: 2001 Polen, 2002 Flut an Elbe & Mulde, 2005 New Orleans (USA) nach Hurrikan Kathrina, 2006 Dresden, 2008 Lkr. Saalfeld-Rudolstadt
 
Zur Entstehung des Hobbys: "...von Kind auf bin ich von Gewittern fasziniert. Das Hochwasser am 13.04.1994 hat mich durch die Gewalt und die enormen Schäden in seinen Bann gezogen. Auschlaggebend ist natürlich auch der erste Kontakt mit Markus bei einem Hochwassereinsatz im Feburar 2006. Hier wurde ich das erste mal mit den Thüringer Storm Chasern konfrontiert. Das stetige dazulernen und vertiefen von erlerntem Wissen rund um Wetter und dessen Erscheinungen zieht mich ungehemmt weiter in seinen Bann..."
 
"...man kann es Zufall oder vielleicht auch Schicksal nennen, dass bei einer kräftigen Gewitternacht am 11. Mai 2004 meine Tochter das Licht der Welt erblickte. Mein Sohn wollte dem wohl in nichts Nachstehen und erblickte ebenso in einer kräftigen Gewitternacht am 18. August 2011 das Licht der Welt..."
 
Besonders in Erinnerung geblieben: "...unvergessen ist ein direkter Blitzeinschlag in eine Dorfsirene in Mankenbach direkt vor mir, die erste gemeinsame Jagd mit Markus sowie ein massiver Hagelschlag als ich mit meinem neuen Auto unterwegs war..."
 
 
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