"KYRILL" ist ein Synonym für einen Orkan geworden, der auf breite Fläche großen Schäden anrichtet. Im Januar 2007 brauste der Orkan vom Atlantik heran veränderte das Thüringer Landschaftsbild nachhaltig. Mindestens 17 Personen wurden verletzt, die Bahn stellte den Verkehr ein, an Infrastruktur und Gebäuden kam es zu Millionenschäden. Windspitzen bis zu 144 km/h fegten über den Freistaat hinweg. Stündlich überschlugen sich die Meldungen mehr und mehr, waren immer mehr Einsatzkräfte gefordert. Ein ausführlicher Rückbick von der Entwicklung bis zum Abflauen des Orkans.

Bereits einige Tage vor Eintreffen von Kyrill deuteten die Wettermodelle auf eine mögliche schwere Sturm- bzw. Orkanlage im Bereich des 18. - 19.01. hin. Die Lage wurde seitens der Wetterdienste und den Wetter-Communities im Internet scharf und zunehmend ängstlich beobachtet, da sich der Entwicklungstrend Tag für Tag festigte.

Die folgende Karte des amerikanischen Wettermodells "GFS" zeigt hier am Montag, 15.01.2007, den Wind in 850 hPa (1,5 - 2km Höhe). Auffallend ist die große Fläche kräftiger violetter Farbtöne über beinahe ganz Deutschland, die laut Legende rechts Böen bis 75 Knoten (~ 140 km/h) bzw. darüber erwarten lässt:

Auch am Vortag des Orkans, hier die gleiche Karte wie oben, wird weiterhin das ausgedehnte Orkanfeld des Tiefs simuliert. Doch gibt es diesmal einen Unterscheid zur ersten Karte: Die Windgeschwindigkeit wird nöch höher angesetzt! Zu dieser Zeit hatten die Wetterdienste bereits entsprechende Unwettervorwarnungen herausgegeben.

In der nächsten Karte erkennt man eine äußerst markante Drängung der Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks, je enger um so windiger). Hervorzuheben ist dabei auch der Unterschied innerhalb Deutschlands: Am Alpenrand liegt die 1013er - Isobare, an der Nordspitze Sylts die 962er, was einen Druckunterschied von51 hPa über Deutschland ausmacht:

Anmerkung: Es mag imponieren, dass nur das hier gezeigte "GFS - Modell" die Orkanlage so gut erfasst hatte. Das ist natürlich so nicht richtig. Die verschiedenen Wettermodelle simulierten unterschiedlich die Windentwicklung bei Kyrill. Einen größeren Vergleich möchten wir an dieser Stelle jedoch nicht vornehmen. Daher verweisen wir für jeden Interessierten auf die unten stehenden Links, wo diese Thematik ausgiebig analysiert wird.

Die Analysekarte des Deutschen Wetterdienstes vom 18.01.2007 um 12 UTC(13 Uhr MEZ) zeigt "Kyrill" mit Zentrum über der Nordsee bei einem Kerndruck von 965 hPa:

"Kyrill" entstand als Tief am 16.01.2007vor der amerikanischen Ostküste. Mit einem sehr starken Jet (zw. 200 und 300 km/h, teils darüber!) in der Höhe wurde es regelrecht über den Atlantik nach Europa gejagt. Bereits in den beiden Wochen vor Kyrill kam es in der lebhaften Westwetterlage mit milden Temperaturen, Niederschlägen und lebhaften Wind zu zahlreichen Sturmtiefentwicklungen.

Das Sturmtief "Kyrill" vertiefte (also verstärkte) sich auf seinem Weg nach Europa immer weiter. Der Druckgradient zwischen dem Hoch im Süden und Kyrill im Norden wurde immer stärker, so dass sich am Morgen des 18.01. ein ausgedehntes Windfeld bildete bzw. weiter intensivierte, in dessen Bereich schwere Sturm- und orkanartige Böen erreicht wurden. Begünstigt wurde die Verstärkung des Tiefs außerdem durch günstige Lage des eingangs erwähnten Jets sowie massiver Warmluftzufuhr.

Nach nächtlichen Regenfällen herrschte am Morgen des 18. noch die "Ruhe vor dem Sturm" über Thüringen. Es lockerte teilweise mit kurzen sonnigen Abschnitten auf.<strong> </strong>Die Kaltfront des Vorgängertiefs wurde wieder rückläufig und ging in die Warmfront von "Kyrill" über. Im nachfolgenden Warmsektor frischte der Wind mehr und mehr auf. Die stärksten Böen traten während des Kaltfrontdurchgangs am Abend und der Nacht durch kräftige vertikale Umlagerungen auf. Zu weiteren Böen bis Bft. 11 kam es auch im Bereich der nachfolgenden Troglinie.

Zum Abend erreichte uns die markante Kaltfront des Orkantiefs, die einer sommerlich anmutenden Gewitter-squall-line ähnlich war. In diesem Bereich kam es zu starken Regenfällen und Gewittern, teils Hagel. Am heftigsten schlug natürlich der Wind zu, der durch vertikalen Impulstransport Orkanböen bis in tiefe Lagen verursachte.

Nachfolgend der Kaltfront folgte eine Konvergenzlinie, die den Wind weiterhin lebhaft hielt. Sturm, schwere Sturm- und auch Orkanböen traten bis in die Morgenstunden des 19. (Freitag) auf. "Kyrill" ist zu dieser Zeit bereits über die Ostsee ins Baltikum gezogen. Der Wind ließ in den Folgetagen nur wenig nach, da immer wieder neue Sturmtiefs heranzogen. Besonders am Sonntag, 21.01.2007 gab es nochmals teils schwere Sturmböen, die einigen Bäumen oder beschädigten Objekten "den Rest gaben".

Radaranimation im Zeitraum vom 17.01.2007, 22:00 Uhr bis 18.01.2007, 22:00 Uhr: Man sieht in der Nacht zum 18. bis etwa 14:00 Uhr am 18. die ausgedehten Niederschlagsfelder der Warmfront im Westen und Norden Deutschlands, teils auch in der Mitte. Am Nachmittag taucht an der Nordseeküste ein linienartiges, langgezogenes Niederschlagsband auf, was die Kaltfront des Orkantiefs markiert. Diese hatte Dimensionen und Charakter einer sommerlich schweren Gewitterlinie (squall line) mit Unwetterpotential. Starkregen, Orkanböen weit über 120 km/h, Hagel und Tornados (letztere nicht in Thüringen) traten in ihrem Bereich auf. Nachfolgend noch eine Übersicht der Blitzentladungen entlang der Kaltfront von "Kyrill":

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) wie auch der private Dienstleister Meteomedia mit der Unwetterzentrale (UWZ) hatten die Lage bereits frühzeitig im Blick und konntem anhand der konstanten Rechnung in den Wettermodellen frühzeitig Unwettervorwarnungen am 16.01.2007 herausgeben. Diese wurden am Abend des 17. "scharf" geschalten und teilweise am 18. nochmals angepasst. Dank der Vorwarnzeit konnten sich die Bevölkerung, Behörden und Unternehmen auf die zu erwartende Orkanlage noch rechtzeitig einrichten und Vorkehrungen treffen.

 

Kyrill 18.01.07: Ausführliche Analyse des Orkans (Wetterzentrale Forum)

Orkantief KYRILL - 18., 19.01.2007 (Tief Nr. 33) - Der schwerste Orkan seit Jahrzehnten (Unwetterzentrale)

Superzyklone Kyrill - Synoptik eines zerstörerischen Orkans (mehrteilig) (Felix Welzenbach)

Grundstruktur und Verlauf des Orkantiefs „Kyrill“ vom 18.Januar 2007 (Marco Puckert)

Sonderseite mit umfangreicher Linksammlung zu "Kyrill" (Thomas Sävert)


 

TEIL 2

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